Klare Aufgaben statt Ratespiele: Eine Anweisung für Führungskräfte

Klare Aufgaben statt Ratespiele: Eine Anweisung für Führungskräfte

Eine Aufgabe ist kein Ratespiel

Eine Arbeitsaufgabe sollte kein Ratespiel sein.

Mitarbeitende sollten nicht erst herausfinden müssen, was eigentlich gemeint ist, welche Priorität eine Aufgabe hat oder welches Ergebnis erwartet wird.

Wer eine Aufgabe erteilt, trägt die Verantwortung dafür, dass sie klar, vollständig und verständlich formuliert ist.

Eine einfache und wirkungsvolle Methode dafür sind die 6 W-Fragen aus dem Journalismus:

Wer? Was? Wann? Wo? Wie? Warum?

Mit diesen sechs Fragen lässt sich nahezu jede Arbeitsaufgabe so formulieren, dass Missverständnisse und unnötige Rückfragen vermieden werden.

Klare Aufgaben im Bürogespräch von Ben Delarosa

Die 6 W für eine klare Aufgabenstellung

1. Wer?

Wer ist für die Aufgabe verantwortlich?

Benennen Sie eine konkrete Person oder einen klar definierten Verantwortungsbereich.

Nicht so:

„Das müsste bitte jemand aus dem Team machen.“

Besser:

„Herr Müller übernimmt die Aufgabe.“

Eine Aufgabe sollte immer einer verantwortlichen Person zugeordnet sein. „Das Team“ oder „jemand“ ist keine eindeutige Zuständigkeit.

2. Was?

Was genau soll gemacht werden?

Beschreiben Sie die konkrete Tätigkeit und das erwartete Ergebnis.

Nicht so:

„Bitte kümmern Sie sich darum.“

Besser:

„Bitte prüfen Sie die drei Angebote und erstellen Sie eine Vergleichstabelle mit Preis, Lieferzeit und Leistungsumfang.“

Die Formulierung „kümmern Sie sich darum“ überlässt dem Mitarbeitenden die Aufgabe, zunächst selbst herauszufinden, was überhaupt zu tun ist.

3. Wann?

Bis wann muss die Aufgabe erledigt sein?

Eine Aufgabe ohne klare Frist lässt unnötigen Interpretationsspielraum.

Nicht so:

„Bitte zeitnah erledigen.“

Besser:

„Bitte bis Mittwoch, 2. September, 12:00 Uhr fertigstellen.“

Begriffe wie „zeitnah“, „bald“, „möglichst schnell“ oder „bei Gelegenheit“ sind keine eindeutigen Termine.

Wenn eine Aufgabe Priorität hat, sollte diese ebenfalls klar benannt werden.

4. Wo?

Wo soll die Aufgabe durchgeführt werden oder wo befinden sich die benötigten Informationen?

Nennen Sie beispielsweise den Ablageort, das System, den Kunden, den Arbeitsplatz oder den relevanten Projektbereich.

Nicht so:

„Die Unterlagen finden Sie im System.“

Besser:

„Die aktuellen Unterlagen finden Sie im Projektordner unter ‚Projekte > Müller > Angebot 2026‘.“

Je weniger gesucht werden muss, desto schneller kann die eigentliche Aufgabe erledigt werden.

5. Wie?

Wie soll die Aufgabe durchgeführt werden?

Beschreiben Sie die wichtigen Vorgaben, Standards, Arbeitsschritte oder Rahmenbedingungen.

Nicht so:

„Bitte nach unserem Standard bearbeiten.“

Besser:

„Verwenden Sie die aktuelle Angebotsvorlage, prüfen Sie alle Preise und speichern Sie die finale Version als PDF.“

Dabei gilt: So viel Vorgabe wie nötig, aber nicht mehr als erforderlich.

Das Ziel ist nicht, jeden einzelnen Handgriff vorzuschreiben. Entscheidend ist, dass die für ein korrektes Ergebnis notwendigen Rahmenbedingungen bekannt sind.

6. Warum?

Warum soll die Aufgabe erledigt werden?

Der Zweck einer Aufgabe hilft Mitarbeitenden, Prioritäten zu verstehen und bei notwendigen Entscheidungen selbstständig richtig zu handeln.

Nicht so:

„Das brauchen wir für den Termin.“

Besser:

„Die Übersicht wird für das Gespräch mit dem Kunden am Donnerstag benötigt und dient als Entscheidungsgrundlage.“

Wer das Ziel kennt, kann häufig selbstständig bessere Entscheidungen treffen.

Die wichtigste Regel

Wer einen Auftrag erteilt, muss dafür sorgen, dass der Auftrag verstanden werden kann.

Mitarbeitende sollten nicht durch Nachfragen, Interpretieren oder Ausprobieren herausfinden müssen, was die Führungskraft eigentlich wollte.

Eine gute Aufgabenstellung beantwortet deshalb mindestens:

Wer macht was bis wann – und mit welchem Ergebnis?

Die weiteren W-Fragen sorgen dafür, dass auch Ort, Vorgehensweise und Zweck eindeutig sind.

Der 30-Sekunden-Check für Führungskräfte

Bevor Sie eine Aufgabe weitergeben, lesen Sie sie noch einmal aus Sicht des Mitarbeitenden.

Ist die Aufgabe wirklich klar?

  • Ist klar, wer verantwortlich ist?
  • Ist klar, was konkret getan werden soll?
  • Ist das gewünschte Ergebnis beschrieben?
  • Gibt es eine konkrete Frist?
  • Ist klar, wo die notwendigen Informationen oder Unterlagen zu finden sind?
  • Sind wichtige Vorgaben zum Wie beschrieben?
  • Ist der Zweck bzw. die Priorität nachvollziehbar?
  • Könnte die Person die Aufgabe ohne zusätzliche Erklärung bearbeiten?

Wenn eine Frage mit „Nein“ beantwortet wird:

Aufgabe überarbeiten – nicht auf Rückfragen warten.

Was Führungskräfte vermeiden sollten

Besonders häufig führen folgende Formulierungen zu Missverständnissen:

  • „Bitte kümmern Sie sich darum.“
  • „Machen Sie das fertig.“
  • „Das müsste mal geprüft werden.“
  • „Bitte schnellstmöglich.“
  • „Wie besprochen.“
  • „Sie wissen ja, was zu tun ist.“
  • „Machen Sie es wie beim letzten Mal.“
  • „Das ist dringend.“
  • „Bitte entsprechend bearbeiten.“

Solche Formulierungen können im persönlichen Gespräch funktionieren, sind als alleinige Aufgabenstellung aber häufig zu ungenau.

Die entscheidende Frage lautet:

Weiß der Mitarbeitende wirklich, was zu tun ist – oder glaubt die Führungskraft nur, dass er es weiß?

Klare Führung beginnt mit einem klaren Auftrag

Eine unklare Aufgabenstellung erzeugt häufig:

Rückfragen → Verzögerungen → Missverständnisse → Fehler → Nacharbeit

Eine klare Aufgabenstellung schafft dagegen:

Verständnis → Eigenständigkeit → richtiges Ergebnis → weniger Rückfragen → weniger Nacharbeit

Deshalb sollte die Qualität einer Führungskraft nicht nur daran gemessen werden, wie gut sie Aufgaben erledigt, sondern auch daran, wie klar sie Aufgaben an andere überträgt.

Führungskräfte-Merksatz

„Ich weiß, was ich meine“ reicht nicht.
Entscheidend ist, ob der Mitarbeitende weiß, was er tun soll.

Eine klare Aufgabe ist keine zusätzliche Bürokratie.
Sie ist eine Voraussetzung für effiziente Führung.

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