SEO-Mythen: Warum KI-Texte und lange Inhalte nicht automatisch bessere Google-Rankings bringen

SEO-Mythen: Warum Sie mit KI-Texten, Fachbegriffen und 5.000 Wörtern nicht auf Platz 1 bei Google kommen

Es gibt Dinge, die sich hartnäckiger halten als Kaugummi an einer Schuhsohle.

Dazu gehört die Behauptung, die Erde sei flach, Ananas gehörten auf Pizza und man lande mit möglichst langen KI-Texten automatisch auf Platz eins bei Google.

Scrollt man heute nur ein paar Minuten durch Facebook-Gruppen oder LinkedIn, stößt man garantiert auf den nächsten selbsternannten SEO-Guru, der erklärt, wie er mit ChatGPT, 10.000 Wörtern und einer Prise „Keyword-Magie“ jede Website an die Spitze bringt.

Natürlich. Und weil ich mir einen Rennanzug gekauft habe, werde ich morgen Formel-1-Weltmeister.

SEO-Mythen - Warum KI-Texte und lange Inhalte nicht automatisch bessere Google-Rankings bringen - Ben Delarosa
SEO-Mythen – Warum KI-Texte und lange Inhalte nicht automatisch bessere Google-Rankings bringen – Ben Delarosa

Google ist keine Schwiegermutter, die sich leicht beeindrucken lässt.

Es scheint, als würden viele Menschen Google wie einen leichtgläubigen Praktikanten behandeln.

Da erscheint eine Website mit 4.800 Wörtern, 37 Fachbegriffen und dreimal so vielen Bindestrichen wie ein deutsches Steuerformular – und Google soll ehrfürchtig aufspringen und rufen:

„Unglaublich! Dieser Autor kennt das Wort ‚synergetische Prozessoptimierung‘. Sofort Platz 1!“

Leider funktioniert diese Suchmaschine nicht nach diesem Prinzip.

Seit Jahren versucht Google, die beste Antwort auf eine Suchanfrage zu liefern. Nicht die längste. Nicht die komplizierteste. Und schon gar nicht die mit den meisten Fremdwörtern pro Absatz.

Wer das bis heute nicht verstanden hat, der glaubt vermutlich auch noch an den Weihnachtsmann und an kostenlose Parkplätze in Innenstädten.

Das Märchen vom KI-Geheimtrick

Seit künstliche Intelligenz für jeden verfügbar ist, scheint plötzlich jeder überzeugt zu sein, den heiligen Gral der Suchmaschinenoptimierung gefunden zu haben.

  • Prompt eingeben.
  • Text kopieren.
  • Veröffentlichen.
  • Champagner kaltstellen.

Das Problem bei dieser sensationellen Strategie ist nur, dass Millionen andere exakt dasselbe machen.

Wenn alle denselben Trick anwenden, ist es kein Trick mehr. Bei Google kann es nur einen ersten Platz geben. Nicht 500.000.

Wenn Sie glauben, dass Google alle KI-Texte gleichzeitig auf Platz eins setzen würde, sollten Sie vielleicht auch Aktien kaufen, weil es in Ihrem Horoskop empfohlen wurde.

Mehr Text ist nicht automatisch besser.

Ein weiterer Klassiker aus der SEO-Steinzeit lautet:

„Google liebt lange Texte.“

Nein.

Google liebt Antworten.

Wenn jemand nach „Terrassenüberdachung Kosten“ sucht, dann möchte diese Person wissen, was eine Terrassenüberdachung kostet.

Er möchte nicht erst die Geschichte des Wetterschutzes seit Julius Cäsar lesen und anschließend eine philosophische Betrachtung über die Bedeutung des Regens für die Menschheit studieren.

Viele Webseiten produzieren trotzdem genau solche Textmonster, die oft eine unübersichtliche und schwer lesbare Menge an Text darstellen.

  • 3.000 Wörter Einleitung.
  • 1.500 Wörter Allgemeinwissen.
  • 800 Wörter Wiederholungen.

Und irgendwo ganz unten steht dann vielleicht der Preis.

Falls der Besucher bis dahin nicht längst wieder verschwunden ist.

Fachbegriffe sind kein Rankingfaktor, denn sie sind nicht entscheidend für die Suchanfrage und die Positionierung in den Suchergebnissen.

Besonders unterhaltsam wird es, wenn Unternehmen der irrigen Annahme erliegen, dass komplizierte Sprache automatisch professionell wirkt.

Dann liest man Sätze wie:

„Unsere multidimensionale, synergetische Lösungsarchitektur ermöglicht eine holistische Optimierung komplexer Prozesslandschaften.“

Übersetzung:

„Wir machen unseren Job.“

Google ist beeindruckt.

Der Besucher eher nicht.

Menschen suchen selten nach „hyperkonvergenter Infrastrukturarchitektur mit skalierbarer Datenpersistenz“.

Sie suchen nach „Datensicherung für kleine Unternehmen“.

Ein Arzt schreibt „Lumbalgie“.

Der Patient sucht „Rückenschmerzen“.

Ein Handwerker schreibt „tragfähiges Aluminiumprofil nach DIN“.

Der Kunde sucht „Carport aus Aluminium kaufen“.

Wer die Sprache seiner Kunden ignoriert, optimiert am Markt vorbei.

Suchintention schlägt Keyword-Dichte.

Der eigentliche Kern moderner Suchmaschinenoptimierung ist erstaunlich unspektakulär, was viele nicht wissen.

Es geht darum, zu verstehen, was Menschen wissen möchten, denn nur so können wir ihnen die richtigen Informationen geben.

Das war’s.

Nicht mehr.

Nicht weniger.

Google investiert Milliarden in künstliche Intelligenz, Sprachmodelle und semantische Analyse, um Suchanfragen besser zu verstehen.

Und gleichzeitig sitzt irgendwo ein Marketingberater und zählt noch immer, ob das Keyword genau 27 Mal im Text vorkommt.

Die Realität hat manchmal einen ironischen Charakter.

KI ist ein Werkzeug, aber keine Wunderwaffe, und es ist wichtig, dies im Hinterkopf zu behalten.

Selbstverständlich kann KI bei der Erstellung hervorragender Inhalte unterstützen.

  • Sie hilft bei Ideen.
  • Sie hilft bei der Struktur.
  • Sie spart Zeit.

Sie ersetzt jedoch weder Erfahrung noch Fachwissen noch das Verständnis für Kunden.

Wer heute dieselben Standard-Prompts verwendet wie hunderttausende andere Unternehmen, produziert am Ende genau das, was Google bereits millionenfach kennt.

Es sind austauschbare Inhalte ohne Persönlichkeit und ohne echten Mehrwert.

Das ist ungefähr so innovativ wie ein Hotelbuffet mit trockenen Brötchen und Rührei aus dem Tetrapack.

Das eigentliche Problem

  • Viele Webseiten werden heute für Suchmaschinen geschrieben.
  • Dabei sollten sie für Menschen geschrieben werden.
  • Der Besucher interessiert sich nicht für Keyword-Dichte.
  • Er interessiert sich nicht für Prompt-Engineering.
  • Er interessiert sich nicht für SEO-Geheimtipps.
  • Er möchte einfach eine Antwort auf seine Frage.

Und genau das versucht Google inzwischen besser denn je zu erkennen.

Fazit

Die Wahrheit ist für manche schmerzhaft einfach.

  • KI bringt keine automatischen Top-Rankings.
  • 5.000 Wörter bringen keine automatischen Top-Rankings.
  • Fachbegriffe bringen keine automatischen Top-Rankings.

Wenn alle denselben KI-Generator verwenden, denselben SEO-Mythen glauben und austauschbare Texte veröffentlichen, gewinnt am Ende wieder derjenige, der seinen Besuchern tatsächlich hilft.

Oder anders formuliert:

Man kann acht Stunden lang einen Text mit Buzzwords aufblasen und hoffen, dass Google beeindruckt ist.

Oder man beantwortet einfach die Frage des potenziellen Kunden.

Erstaunlicherweise funktioniert die zweite Variante deutlich häufiger.

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