Wenn dein Vorgesetzter seine Zeit lieber mit der Verwaltung von Aufgaben als mit dem Kerngeschäft verbringt, dann renne. Wirklich.
In jeder Organisation gibt es Führungskräfte. Manche führen. Manche inspirieren. Und manche treffen sogar Entscheidungen.

Hinweis: Dieser Artikel ist reine Satire.
Alle in diesem Text verwendeten Szenen, Charaktere und Beispiele sind fiktiv und haben keinen Bezug zu real existierenden Personen oder Unternehmen.
Jegliche Ähnlichkeit mit tatsächlichen Vorgesetzten, Firmen oder Situationen ist rein zufällig.
Es gibt noch eine weitere Kategorie:
Der Verwaltungs-Vorgesetzte.
Du erkennst ihn nicht an Ergebnissen – das wäre zu einfach. Sondern an einem Kalender, der wie ein Tetris-Spiel mit Meeting-Blöcken aussieht, an E-Mails mit dem Betreff „Kurzes Alignment“ und an der bemerkenswerten Fähigkeit, sehr beschäftigt zu wirken, ohne je echte Arbeit zu verrichten.
Arbeiten selbst?
Das wäre operativ. Und operativ ist bekanntlich gefährlich.
Das Kerngeschäft – ein spannendes Gerücht
Normale Unternehmen haben ein Kerngeschäft. Kunden, Produkte, Dienstleistungen.
Der Verwaltungs-Vorgesetzte hat etwas viel Wichtigeres im Sinn: Prozessoptimierung der Prozessoptimierung.
Während dein Team versucht, reale Probleme zu lösen, arbeitet dein Vorgesetzter an wirklich kritischen Fragen wie:
- „Könnten wir den Statusreport vielleicht noch strukturierter reporten?“
- „Brauchen wir für dieses Thema vielleicht eine Taskforce?“
- „Wer organisiert das Meeting zur Vorbereitung des Workshops zur Planung des Projekts?“
Das Produkt? Der Kunde? Der Markt?
Interessante Themen.
Aber zuerst sollten wir klären, wer das Protokoll des Meetings protokolliert.
Die Magie der Management-Floskeln
Irgendwann sagt jemand im Team:
„Wir sind gerade komplett überlastet.“
Darauf antwortet der Vorgesetzte mit einem Klassiker der modernen Führung:
„Dann müssen wir besser priorisieren.“
Das ist Managementsprache für:
Ich habe keine Ahnung, was ihr tut, aber es klingt nach Struktur.
Weitere beliebte Sätze aus diesem Ökosystem:
- „Wir müssen das ganzheitlich betrachten.“
- „Lasst uns das mal strategisch denken.“
- „Da brauchen wir mehr Alignment.“
Niemand weiß genau, was das bedeutet.
Aber es klingt beeindruckend und füllt erstaunlich viele Stunden.
Das Naturgesetz der Verantwortung
Der Verwaltungs-Vorgesetzte folgt außerdem einem faszinierenden Naturgesetz.
Wenn ein Projekt erfolgreich ist:
„Das entspricht genau der strategischen Richtung, die ich vorgegeben habe.“
Wenn ein Projekt scheitert:
„Da müssen wir im Team nochmal genauer hinschauen.“
Dieses Phänomen nennt man auch Gravitationsgesetz des Managements:
- Erfolg steigt nach oben.
- Probleme fallen nach unten.
Newton hätte seine Freude daran gehabt.
Die natürliche Umgebung: Meetings
Der Verwaltungs-Vorgesetzte lebt nicht im Büro.
Er lebt im Meeting.
Meetings sind sein Lebensraum, sein Sauerstoff, seine natürliche Umgebung.
Ein typischer Kalender sieht ungefähr so aus:
- 09:00 – Strategisches Alignment
- 10:00 – Alignment zum strategischen Alignment
- 11:00 – Follow-up zum Alignment
- 13:00 – Statusmeeting zum Follow-up
- 15:00 – Workshop zur Optimierung der Meetingkultur
Das Team arbeitet währenddessen heimlich zwischen zwei Kalendereinladungen.
Manchmal sogar am Abend. Völlig unverständlich.
Der Moment der Erkenntnis
Irgendwann passiert etwas.
Du sitzt im neunten Meeting der Woche, hörst zum fünften Mal das Wort „Synergie“ und plötzlich trifft dich eine Erkenntnis wie ein Blitz:
„Mein Vorgesetzter hat keine Ahnung, was wir hier eigentlich tun.“
Plötzlich ergibt alles Sinn.
- Warum jede Entscheidung drei Präsentationen braucht
- Warum Projekte länger dauern als die Planung der Projekte
- Warum alle gestresst sind, aber niemand genau weiß warum
Du bist nicht in einer Organisation.
Du bist in einer PowerPoint-Simulation von Organisation.
Deine drei Überlebensstrategien
Jetzt hast du mehrere Möglichkeiten.
Option 1: Anpassung
Du wirst zum Großmeister der PowerPoint-Folien und kannst innerhalb von fünf Minuten eine Strategie erstellen, die garantiert nie umgesetzt wird.
Option 2: Zynischer Humor
Du spielst innerlich Bingo, sobald dein Vorgesetzter Wörter sagt wie:
- Synergie
- Alignment
- Quick Win
- Ganzheitlich
Bei vier Treffern gibt es einen stillen Nervenzusammenbruch.
Option 3: Flucht
Du verlässt die Organisation und entdeckst eine erstaunliche Welt, in der:
- Meetings 20 Minuten dauern
- Entscheidungen tatsächlich getroffen werden
- Vorgesetzte ungefähr wissen, was ihr Team macht
Ja. Diese Orte existieren wirklich.
Die überraschend einfache Lösung
Falls Flucht gerade nicht möglich ist, gibt es noch eine pragmatische Methode:
- Rede mit Kunden.
- Arbeite am echten Problem.
- Liefere Ergebnisse.
Denn während dein Vorgesetzter noch ein Alignment zum Alignment plant, kann etwas sehr Ungewöhnliches passieren:
Das Team löst tatsächlich ein Problem.
Und manchmal, ganz selten, merkt die Organisation dann plötzlich:
Arbeit funktioniert auch ohne 37 Meetings.
Ich weiß.
Das klingt radikal.
Aber so bin ich …
